Herrmann Wiedenroth gibt Martin Luther eine Stimme

Überreich und mannigfaltig sind derzeit die Angebote und Veranstaltungen zur Reformationszeit und zu Martin Luther. Das erklärt die verhaltene Resonanz auf eine Lesung von Hermann Wiedenroth anlässlich der Mitgliederversammlung der Bibliotheksgesellschaft in Kunst und Bühne.

Luther nach Lucas Canach dem Älteren

Hier wurde allerdings nicht über Luther gesprochen, nein, er kam selbst zu Wort, denn Wiedenroth trug aus vielen Lebensbereichen des umtriebigen Luther im Originalton vor. Mit einleitenden Worten reisten die Zuhörer über Wittenberg nach Worms und wieder zurück. Dabei wurde in der Chronologie der Ereignisse zwar hin und her gesprungen, trotzdem ging der rote Faden nicht verloren.

·         Exemplarisch wurden einige Thesen zu Gehör gebracht. Aus Liebe zur Wahrheit verfasst, stellten sie im Grunde den Ablass nicht in Frage sondern nur den Missbrauch. Denn als Mönch war Luther seiner Kirche ergeben, er prangerte nur Missstände an, nahm sogar den Papst in Schutz.

·         Außerdem las Wiedenroth die Antwortrede Luthers auf dem Reichstag zu Worms, in der Luther die Widerlegung der Thesen aus der Heiligen Schrift fordert, und aus einer Streitschrift aus dem Jahre 1542, die den Reliquienhandel zum Thema hatte.

·         Das Ringen mit der deutschen Sprache, wie sie vom Volk gesprochen wird, hatte für Luther große Bedeutung, beispielhaft zu Gehör gebracht durch den Sendbrief vom Dolmetschen in dem er sich auch als Meister der Abschweifungen zu erkennen gibt.

·         Er war auch Übersetzer der Fabeln des Aesop – die Originale liegen immer noch in den Archiven des Vatikans.

·         Als Lieddichter, hat er eine überschaubare Anzahl sehr eindringlicher Texte verfasst.

·         Der Briefwechsel mit Katharina von Bora wurde erwähnt, ebenso wie die berühmten Tischgespräche. Seinerzeit haben Luthers Gäste auf Latein aufgeschrieben was im deutschen deftig, zotig oder theologisch gesprochen wurde.

Wer dem Überangebot noch nicht erlegen war, bekam unterhaltsame Stunden geboten, denn Luther konnte reden – Wiedenroth auch! Bleibt als Anregung dieser Veranstaltung: Luther selbst zur Hand nehmen, vornehmlich seine Bibelübersetzung, dabei das Theologische beruhigt zur Seite schieben, um der Sprache zu lauschen ...

[Protokoll der Mitgliederversammlung vom 2. Mai 2017]

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